Kulturica | Ein graues Haar, wieder geht ein Jahr...
 

Ein graues Haar, wieder geht ein Jahr…

Antique Gas Pump

Ein graues Haar, wieder geht ein Jahr…

Wenn es um die berühmt-berüchtigten Neujahrsvorsätze geht, gibt es drei Typen von Menschen. Jeder meint es auf seine Art gut, scheitert aber auf die gleiche Weise. Das ist ähnlich wie das Anna-Karenina-Prinzip nach Tolstoi: “Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.

 

Die erste Gruppe Sich-Neujahrsvorsätze-Vornehmer ist jedes Jahr aufs Neue eifrig dabei, alle Wünsche und Pläne großzügig und anschaulich auf eine Liste zu schreiben. Mit bunten Stiften bewaffnet, posaunen sie pompöse Ankündigungen in die Welt hinaus, sich dieses Jahr aber wirklich, wirklich daran zu halten. Die Listen sind bunt, nach Hierachien geordnet, mit Stickern und Glitzerstiften geschmückt. Wenn schon, dann richtig. So eine Liste muss ja auch etwas hergeben. Und je verbreiteter ihre Liste in sozialen Netzwerken ist, desto höher der eigen-kreierte Druck, sich diesmal dran zu halten. Zumindest am Anfang. Nach ein paar Wochen fragt meist keiner mehr danach, wie weit man sich bisher an seine Liste hat halten können. Wer seine Vorsätze am lautesten an die große Glocke hängt, legt sich meist damit selbst ein Ei. Soweit ich das bisher beobachten konnte, scheitern die pompösen Listenschreiber ziemlich schnell. Aber wenigstens hatten sie Spaß bei der kreativen Gestaltung. Das muss doch auch zählen.

 

Die zweite Gruppe besteht aus denjenigen, die nicht einmal so tun, als würden sie sich die Mühe machen, sich etwas vorzunehmen, geschweigedenn sich daran zu halten. Das sind diejenigen, die altkluge Sprüche von sich geben, wie:

“Was ist, wenn mein Vorsatz ist, sich an keine Vorsätze zu halten?”

“Mein Neujahrsvorsatz ist, besser darin zu werden, schlechte Entscheidungen zu treffen.”

“Ich habe mich von Anfang an bewusst nicht an meine Vorsätze gehalten, damit ich möglichst schnell dazu übergehen kann, mein Leben weiterhin zu genießen.”

“Mein Vorsatz ist, mich von Menschen fernzuhalten, die mich nach meinen Vorsätzen fragen.”

oder – der Klassiker –

“Mein Vorsatz für 2016 ist, die Ziele zu erfüllen, die ich 2015 hatte, da ich mir in 2014 vorgenommen hatte, die Ziele in 2013 zu erreichen, die ich 2012 plante.”

Immerhin ist die Gruppe Nummer 2 ehrlich und das ist doch schon eine Leistung für sich.

 

Die dritte Gruppe besteht aus denjenigen, die sich tatsächlich an ihre Neujahrsvorsätze halten. Man nimmt sie nur sehr selten wahr, da sie, erstens, es im Stillen für sich tun, damit sie und sie allein sich gut fühlen, und zweitens, es realistische, und vor allem wenige Vorsätze sind: öfter mal an der frischen Luft spazieren, öfter mal Pausen einlegen und durchatmen, etwas weniger Zeit am Computer verbringen. Das bemerkenswerte ist das Fehlen abgedroschener, einschüchterner Wörter wie “immer”, “jeden Tag”, oder “besser werden”. Es sind kleine, lebenserleichternde Dinge, die es wert sind, sich bewusst vorzunehmen.

 

 

 

 

No Comments

Post a Comment