Kulturica | German American Conference an der Harvard Uni
 

German American Conference an der Harvard Uni

Thomas Gottschalk

German American Conference an der Harvard Uni

Als ich Ende Oktober über den Campus der Harvard Universität schritt, war es ein sonnig-kühler Freitagmorgen. Früh um acht herrschte bereits ein reges Treiben vor dem Akkreditierungszelt, und kleine Gruppen von Besuchern, Reportern, Studenten und Sprechern standen kaffeetrinkend unter goldgefärbten Herbstbäumen. Die German American Conference fand nun schon zum achten Mal in Harvard statt und ist mit ihren mehr als 700 Besuchern und über 30 Sprechern die größte von Studenten organisierte Zusammenkunft in den Vereinigten Staaten.

 

Zunächst war es ungewöhnliche Musik für meine Ohren, so viel Deutsch zu hören. Ich brauchte eine Weile, um meinen ‘Sprach-Hebel’ wieder umzustellen, denn irgendwann denkt man fast nur noch auf Englisch, oder eher gesagt Denglisch. Wohin ich auf dem schon ziemlich majestätisch aussehenden Campus auch ging, ich traf auf weitgereiste Menschen, überwiegend natürlich aus Deutschland, und jeden verschlug es aus ganz unterschiedlichen Gründen ins schöne Cambridge. Allen gemeinsam aber war die Vorfreude auf die zwei vor uns liegenden, programmintensiven Tage.

 

Die Begrüßungszeremonie fand in der Memorial Church mit feierlicher Orchestermusik statt und nach der kurzweiligen Eröffnungsrede ging es auch schon los: Schlag auf Schlag folgten inspirierende Podiumsdiskussionen, TED Talks, Präsentationen und Videos. Unter den Sprechern befanden sich hochrangige Vertreter aus Amerika und Deutschland und scheuten nicht davor, auch brenzlige, unangenehme Themen anzupacken. Und dennoch artete nichts in hitzige Diskussionen aus, sondern die neugierigen Fragen aus dem Publikum wurden unterhaltsam und ehrlich beantwortet.

 

Peter Schaar, Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID) forderte den ehemaligen NSA-Chef und CIA-Direktor Michael Hayden heraus und befragte ihn zu den Themen Datenschutz, Überwachung und Edward Snowden. Die meist aus den deutschen Reihen stammenden Publikumsfragen machten dabei immer wieder eines deutlich: die unterschiedliche Auffassung von Datenschutz zwischen Deutschen und Amerikanern. Sind die Deutschen noch ‘Stasi-geschädigt’ und benutzen überwiegend Pseudonyme bei Facebook oder hängen gar ihre Laptop-Kameras mit Klebezetteln zu (zugegeben, ich mache das auch hin und wieder), sind die Amerikaner viel lässiger und sehen kein großes Problem darin, wenn eine Maschine ihre Emails nach ‘words of interests’ durchscannt. Neben den Themen Wiedervereinigung, Datenschutz, Industrie 4.0 und Innovation wurde ein großes, hochaktuelles Feld ebenfalls nicht umgangen: Deutschlands Sorgenkind, die Flüchtlingskrise. Auch dieses sonst so unangenehme Thema wurde alles andere als zurückhaltend angepackt und der Grundgedanke der Konferenz kristallisierte sich hier noch einmal besonders heraus: die Stärkung transatlantischer Beziehungen und die Frage, was Deutschland von Amerika lernen kann, und umgekehrt.

 

„In television, an unhappy American still looks happier than a happy German.“

 

Bei aller Ernsthaftigkeit kamen dennoch Unterhaltung und Neuigkeiten aus der Forschung nicht zu kurz: Thomas Gottschalk brillierte mit gewohnter Lässigkeit und nahm sowohl Amerikaner als auch Deutsche aufs Korn: “In television, an unhappy American still looks happier than a happy German.” Die Deutschen sind für ihre Seriosität, Ordnungsliebe und Formalitäten bekannt, während die Amerikaner humortechnisch lockerer sind und nicht alles so schrecklich ernst nehmen. Aber an den britischen, schwarzen Galgenhumor kommen auch sie nicht heran. Gottschalk zeigte Fotos und Videos seiner Treffen von Berühmtheiten und beantwortete die Frage nach seinem “favorite president” mit dem kurzen, aussagekräftigen Statement: “Clinton is the best politician, Bush is the funniest, and Obama is the most serious one.”

 

Das Zusammentreffen an der Harvard-Universität stärkte die Verbindung zwischen den beiden Ländern, sowohl wirtschaftlich als auch kulturell, und war auch für mich persönlich eine Bereicherung, denn ich bin schließlich nach Amerika gereist, um genau das zu tun: Amerika und Deutschland ein Stückchen näher aneinander zu bringen.

 

Die Konferenz ging von Freitag – Sonntag (30. Oktober – 1. November), aber ich bin am Samstag schon zurückgefahren, um mein erstes amerikanisches Halloween zu feiern. Das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen!

 

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