Kulturica | Eine Heidelbergerin in Connecticut – Was macht die da?
 

Eine Heidelbergerin in Connecticut – Was macht die da?

Puppy in front of american flag

Eine Heidelbergerin in Connecticut – Was macht die da?

141 Tage ist es jetzt her, seit ich in die Vereinigten Staaten gezogen bin, um hier zu leben, zu arbeiten, zu schreiben, meinen Bier- und Kaffeekonsum zu steigern, auf den blauen See zu blicken und Trucks auf dem Highway zu zählen.

 

Wieso das?

 

Letztes Jahr von April – Juli habe ich ein Praktikum am Hartford Business Journal in Hartford, Connecticut gemacht und währenddessen meine Masterarbeit über “Women in ‘House of Cards’: A Case Study on the Evolution of Gender in Television” geschrieben. Tagsüber war ich im Event Department tätig; meine Abende waren mit binge-watchen von House of Cards gefüllt. Dazwischen habe ich mich über Hartford gewundert und aufgeregt. Gilmore Girls hat mich böse in die Irre geführt!

 

Im September 2015 habe ich meinen Master an der Universität Mannheim in Englischer Literatur, Medien und Kommunikation abgeschlossen („quite the mouthful“, wie die Amerikaner sagen würden), und gleich danach als feste Journalistin in der Redaktion des Pfalz Magazins angefangen. Ich war schon seit 2008 als Freelancer dabei, und habe neben meinem Studium immer mal wieder Artikel geschrieben, über lokale Events recherchiert, Interviews geführt, Korrektur gelesen und an Bierproben teilgenommen. Warum gibt es eigentlich so viele Weinproben, aber kaum Bierproben?! Anyway… Dadurch bin ich an ein Journalismus-Visum gekommen, das mir gestattet, mich 5 ganze Jahre in den Vereinigten Staaten aufzuhalten. Dieses Journalismus-Visum war ungefähr 10x günstiger als das Visum für ein 3-monatiges Praktikum. Das versteht nochmal einer…

 

Tja, und 3 Wochen später saß ich wieder im Flugzeug auf dem Weg nach Boston – von taumelnden, Junggesellenabschied-feiernden, Champagner-freudigen Mädels umringt.

 

Und jetzt?

 

Jetzt lebe ich hier in Neuengland, in einem kleinen Haus am See, direkt an der Grenze zwischen Connecticut, Massachusetts, und Rhode Island. Seit Ende Januar habe ich meinen eigenen Blog, den ich versuche, zweisprachig zu halten, doch bis jetzt ist das Deutsch-Englisch-Verhältnis eher 70/30. Aber es wird, es wird! Wie gesagt, der Blog ist erst knapp 4 Wochen alt. Gut Ding will Weile haben.

 

me and my lake house

Und was ist hier so los?

 

Ich war auf der German American Conference an der Harvard University und stand Thomas Gottschalk gegenüber (hier geht’s zu meinem Artikel darüber), war in New York City, Boston, Martha’s Vineyard (Artikel hier), Newport und Worcester, und vieles mehr. Ich besuchte kleine und große Brauereien mit “deutschen” Biergärten und stöberte auf riesigen Antik-Märkten, die man hier in den USA überall findet. Ich erlebte einen echten amerikanischen Schneesturm mit stundenlangem Strom-, Wasser-, Internet- und Heizungsausfall (tragikomischer Erfahrungsbericht hier zu lesen). Ich bekam ab und an Heimweh-Schübe, die ich damit linderte, mein eigenes Roggenbrot zu backen und tonnenweise Lindt-Schokolade zu verdrücken. Ich verfolgte live die Präsidentschaftswahlen im Fernsehen (eieiei) und fieberte bei meinem ersten Super Bowl mit. Ich feierte Halloween, Thanksgiving, Weihnachten, Silvester und Valentinstag hier. Ich hatte die Ehre, für die ze.tt einen Artikel über “6 Dinge, die ich in den USA gelernt habe” (hier, bitteschön) zu schreiben und lerne jeden Tag Neues über dieses Land (tadaa). Das Land ist so riesig und faszinierend, so komplex, vielschichtig, und voller Probleme.  Dennoch:

 

“Hier ist mein neues Zuhause. Aber man kann ja zwei Zuhause haben, nicht?”

 

Morgen fliege ich aber erstmal wieder nach Deutschland zurück, um meiner Heimat einen kleinen Besuch abzustatten und Familiengeburtstag zu feiern. Fast jeder Tag meines zweiwöchigen Urlaubs ist bereits für Freunde und Familie reserviert, die ich seit 141 Tagen nicht mehr gesehen habe. Bei manchen ist es sogar noch länger her.

Ich werde meine Alma Mater in Mannheim besuchen, und die Uni Heidelberg. Werde nach Landau i. d. Pfalz, Frankfurt und Leipzig reisen. Wenn es nach mir ginge, würde ich noch Freunde in Hamburg und Köln und Norwegen besuchen. Aber ich bin Mitte März auf einem Konzert hier in Connecticut und habe jemanden, der hier auf mich wartet. Hoffentlich. 😉

 

Es wird seltsam werden, wieder zurück in Deutschland sein, denn jedes Mal ist es vertraut, aber doch irgendwie ein bisschen distanziert. Eine seltsame Mischung aus Fernweh, Heimweh, und zwei Heimaten. Ich glaube, für “Heimat” und “Zuhause” gibt es gar kein Plural, oder? Zuhauses? Zuhauseses? Denn eigentlich hat man nur ein Zuhause und eine Heimat. Ich habe jedoch irgendwie zwei, und beide sind grundverschieden und wecken unterschiedliche Gefühle in mir.

 

Aber eines Tages werde ich sicherlich wieder nach Deutschland zurückkehren. For good.

 

Aber erstmal heißt es:

 

Hallo Deutschland!

viele Grüße

 

 

3 Comments
  • Helga Troester Smith
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    ich freue mich immer wenn ich Heidelberg hoere oder sehe den ich bin auch aus Heidelberg aber schon sehr lange in den USA seit 1957 habe in mehreren Staaten gelebt inzwischen durch auch 2 mal 3 1/2 Jahre wieder in Heidelberg und seit 25 Jahren in Texas
    viel spass in der Heimat

    February 28, 2016 at 12:16 am
  • Barbara King
    Reply

    Die Heimat is aeh funny wort ! Es is net hier unn ah net dort . Mein Koffer war oft gepackt vum Norde bis zum Suede de Moebelwache voll mit all Mein Hab und Gut vun meinen kleine Lewe . Und immer wann ich Heimweh hab seh ich de Himmel odder die Blume , genau die Woelkchen odder ach die Amsel war dort an meinem letzten Heimatort ! Es ist dei Mutersproch was als vermisscht ,dei Kindheitsdache unn halt all diese Sache mit denne de uffgewachse bischt ! Liebe Gruesse vunn einem Paelzer aus ‘ vun net vun hier und ach net dort ‘ 🙂

    February 27, 2016 at 4:14 am
  • Gisela Stone
    Reply

    Good luck Girl.you can have two homes,like them both for different Reasons.I have lived here for a long long time love it but find the country of my Birth anziehent und erfuellent.

    February 27, 2016 at 1:23 am

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