Kulturica | Ein Tag in Straßburg
 

Ein Tag in Straßburg

street art Strassburg

Ein Tag in Straßburg

Seit dem Mittelalter befindet sich Straßburg mit seinen romantischen Gassen, Kanälen, typischem Kopfsteinpflaster, historischen Vierteln wie dem „La Petite France“ und schiefen Fachwerkhäusern im ständigen kulturellen Wandel. Die Stadt ist dynamisch, lebendig, traumhaft und man hat an einem Tag alleine längst nicht alles gesehen. Ein kleiner Reisebericht.

 

Da man von der Pfalz ganz schnell einen spontanen Abstecher nach Frankreich machen kann, setzen wir uns also an einem bewölkten Sonntag ins Auto, fahren gen Süden und knapp eine Stunde später sind wir schon an unserem Ziel. Im unglaublich sauberen Parkhaus neben dem MAMCS (dem Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst) wird man von sonnengelbem Licht und französischer Lounge-Musik, die sanft aus Lautsprechern plätschert, empfangen. Glücklicherweise fehlt der typisch unangenehme Parkhausgeruch nach abgenutzten Reifen und Abgasen; durch die Musik und das helle Licht fühlt man sich fast schon in den Urlaub versetzt, wenn da nicht die Betonpfeiler und Notausgangsschilder wären.

 

Während wir draußen so über das holprige Kopfsteinpflaster laufen, kommen uns drei Sicherheitskräfte entgegen, in Tarnkleidung, schweren Stiefeln, Helmen, Rucksäcken und automatischen Waffen in den Händen. Ihr Blick ist wachsam und grimmig. Kurz überlege ich noch, ein Foto mit ihnen zu machen, aber ihre durchdringende Miene lässt mich vor Respekt und Ehrfurcht erstarren; mit gesenktem Kopf laufe ich an ihnen vorbei. Unmittelbar fühle ich mich bei ihrem Anblick an die Vorfälle in Paris erinnert.

Straßburg

Schengen sei dank werden die Grenzen selten kontrolliert; die Touristen strömen nur so aus allen Ecken und Gassen, und schlendern gemütlich durch die Fußgängerzone, auch wenn das Wetter kalt, windig und grau ist. Auch ich geselle mich unter sie. Die alten Häuser im Tudorstil lehnen sich teilweise gefährlich schief über die Straße hinaus und zeugen von mittelalterlichen Zeiten. In Straßburg ist vieles zu Fuß erreichbar, aber man braucht unbedingt gute, bequeme Schuhe, denn die legendären Kopfsteinpflaster sind keinesfalls absatzschuhfreundlich.

 

Zielstrebig steuere ich meinen Kulturhöhepunkt der Woche an: das Straßburger Münster. Mächtig erhebt sich die Kathedrale vor mir und man muss wirklich den Kopf weit in den Nacken legen, um die Turmspitze erahnen zu können. Mit stolzen 142 Metern zählt das Bauwerk zu den höchsten Sandsteinbauten der Welt. Heute ist das Wahrzeichen des Elsass vor allem durch seine charakteristische Asymmetrie berühmt, da der Südturm nie gebaut wurde. Prompt darf ich für zwei Amerikaner den Fotograf spielen. Was tut man nicht alles, um als „nette Deutsche“ durchzukommen. Alle möglichen Sprachen kommen mir hier zu Ohren, denn Straßburg ist ein Potpourri an Internationalitäten. Der Altar im Inneren des Prachtbaus leuchtet hell am Ende des ehrfurchtgebietenden, dunklen Ganges. Die goldene, prunkvolle Orgel thront hoch über den Köpfen der Besucher und erinnert mich irgendwie an die Unterwasserorgel aus „Fluch der Karibik“.

Strassburger Kathedrale Collage

Selbst am Sonntag haben die meisten Souvenirshops geöffnet und ich, der Koch- und Küchenmuffel in Person, gönne mir tatsächlich eine traditionelle, bestickte Küchenschürze plus Topflappen, auf denen das Symboltier des Elsass, der Storch, mich ermahnend anlächelt und stumm fordert, dass ich jetzt dann auch mal richtig kochen lernen muss. Jaja.

 

Wenn man der französischen Sprache nicht mächtig ist, kommt man bekanntlich in Frankreich nicht weit. So auch in Straßburg, trotz seiner bekannten deutsch-französischen Geschichte. Zwar stehen in den Restaurants die Menüpunkte auf Französisch, Deutsch und Englisch da, was die Wahl der Speisen unglaublich vereinfacht, aber bei der Bestellung selbst hilft nur der Finger auf der Speisekarte und der klägliche Versuch, „pâte feuilletée“ (Blätterteig) so gut es irgend geht auszusprechen, denn Englisch zu sprechen wird vehement verweigert. Es ist fast nicht zu glauben, aber selbst auf dem Pariser Flughafen werde ich sprachlos angestarrt, wenn ich es wage, auf simpelstem Englisch nach dem Weg zum Gate zu fragen.

 

Irgendwie schaffe ich es dennoch, in einem urigen Restaurant, das sich auf Elsässer Baeckeoffe spezialisiert hat, meine Königspastete mit handgemachten Spätzle und einem „Fischer Traditionsbier“ zu bestellen. Das Bier war nur leider überhaupt nicht mein Fall, da mein Gaumen an kräftiges, malziges Schwarzbier gewöhnt ist. Dafür war die überaus leckere Königspastete ratzfratz aufgegessen und während ich so ins berühmt-berüchtigte Suppenkoma falle, raffe ich mich nach einem kulturell ereignisreichen, windigen Sonntag auf und schleppe mich ins Parkhaus mit dem bekannten neongelben Licht. Auf der Heimfahrt spüre ich die durchdringenden Blicke des Elsässer Storches, aber ich kann nun wirklich nicht ans Essen und erst recht nicht ans Kochen denken. Aber ich weiß schon, das klingt nur nach einer Ausrede.

 

Ebenfalls erschienen im Pfalz Magazin

5 Comments
  • It definately was a fun trip… Thanks a lot for posting!
    Tom

    March 22, 2016 at 6:54 pm
  • Toller Beitrag mit eindrucksvollen Fotos! 🙂

    March 18, 2016 at 6:14 pm
  • I’m sure some things were lost in translation but it sounds like a fun trip and I love your pics!

    March 18, 2016 at 5:33 pm

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