Kulturica | Auf den Spuren Hemingways – Ein Wochenende in Madrid
 

Auf den Spuren Hemingways – Ein Wochenende in Madrid

Auf den Spuren Hemingways – Ein Wochenende in Madrid

Nach Feierabend an einem Freitag lief ich, mein Kabinentrolley hinter mir über den Pflastersteinen zuckelnd, zum Bahnhof, sprang in den Zug, fuhr schnurstracks zum Frankfurter Flughafen und befand mich wenig später am Gate D22. Mein Ziel für das Wochenende war Madrid: Die größte Stadt Südeuropas und Metropole mit drei Millionen Einwohnern. Der Flug dahin sollte nur knapp drei Stunden dauern, aber auch im 21. Jahrhundert steht die Welt still, wenn es regnet. Auf den Straßen herrschte das pure Chaos. Autos standen still, Züge fielen aus, es hupte und quietschte an allen Ecken. Weil es regnete.

wartend am Gate

Endlich am Gate sitzend saß ich zwischen deutschen Touristen in trendiger Sandalen-Tennissocken-Kombi und starrte hinaus aufs Graue. Die Regentropfen perlten an den riesigen Scheiben hinunter und das blaue Flugzeug starrte mich mit seinen Quadratschädel-Augen doof an. Die Zeit verging und der kostbare Kurzurlaub trat immer weiter in ungreifbare Ferne. Seltsam kam mir vor, dass es keinen zu stören schien, dass wir da wie Hühner auf der Stange rumhockten. Irgendwann raffte ich mich jedoch auf und fragte eine Frau in schicker Uniform, an was es denn hänge. „Es regnet“, sagte sie und deutete gelangweilt auf die Fensterscheibe. Nach dieser alles klärenden Information suchte ich im Internet nach einer etwas kompetenteren Aussage. Und siehe da: Verspätungsalarm Stufe 5 von 5. Index: Exzessive Verspätung. Manchmal meint es das Universum echt nicht gut mit mir… Dann kam der Shuttlebus und brachte uns zu einem kleinen Flugzeug. Glück wie ich hatte, war ich die letzte, die das Flugzeug betritt. Die Stewardess hielt mich sofort auf und meinte, es sei kein Platz mehr für meinen Trolley. Ich fühlte, wie sich die graue mentale wie auch reale Regenwolke über meinem Kopf ergoss. Und jetzt? Die spanische Stewardess redete freundlich und schnell auf mich ein und ich verstand nur Spanisch, als sie meinen Koffer nahm und ihn mitsamt ihrem eigenen Koffer in einer für normalsterblich Reisende nie zugänglichen Box verstaute. Sie strahlte mich an und hatte keine Ahnung, wieviel Mühe es mich kostete, beim Ausstieg meinen Koffer nicht zu vergessen.

 

 

Endlich da! Ich stand draußen in der warmen Nacht und fragte einen der zwanzig Taxi-Fahrer, wieviel denn die Fahrt zum Hotel „Petite Palace Savoy Alfonso XII“ koste. 30€ sagte er mir, und ich sah, wie alle paar Meter die Euro-Anzeige hochklettere. 35… 40… 50€. Die mentale Wolke über meinem Kopf war wieder da, und sah es nicht ein, im verregneten Deutschland zu bleiben…

 

Madrid

Das Wochenende in Madrid selbst war mit blauem Himmel, Sonnenschein und pulsierendem Leben in den engen Gassen gefüllt. Keiner sprach Englisch und alle Kommunikation funktionierte mit ratlosen Gesichtsausdrücken auf beiden Seiten. Die Restaurants machten erst abends gegen 21 Uhr auf, und so verbrachten wir den ganzen Tag ausgehungert in den bunten Straßen Madrids. Abends im Restaurant dachte ich dann mutig „Neues Land, neues Glück“ und tippte einfach auf irgendein Menü auf der Speisekarte. Als ich dann das Essen vor mir hatte, googelte ich doch hastig, was ich da vor mir liegen hatte: Ochsenschwanz mit Kaktus. Na Wahnsinn. Scheinbar eine Leibspeise in Madrid, versuchte ich das schleimige, grüne Kaktusblatt mit Bier hinunterzukippen, nicht ahnend, dass das Bier wie fahles Wasser schmeckte. Die Grundnahrungsmittel – Kaffee, Bier und Brot – haben die Spanier (und überhaupt viele südliche Länder, meiner Erfahrung nach) leider so gar nicht drauf. Der Kaffee ist schwach, das Bier ist fad, und das Brot steinhart. Von was wir aber nicht genug kriegen konnten, waren churros y chocolate: Churros sind ein längliches Spritzgebäck, das man in heiße, dicke Schokolade taucht. Die reinste Gaumenfreude!

churros y chocolate

Weiter ging’s am nächsten Tag:

Die Plaza Mayor ist der Dreh- und Angelpunkt der Stadt. Hier tummeln sich Straßenmusiker, Demonstranten, Taschendiebe, bizarre Straßenkünstler, Menschen in Micky-Maus-Kostümen und Verkäufer, die handgefertigten Schmuck und Kleider anbieten.
Prunkvoll ragt der Palacio Real, der königliche Palast, in den blauen Himmel. Die Waffensammlungen im Inneren gehören zu den größten der Welt; genauso, wie auch der Palast selbst zu den größten seiner Zeit gehört. Die Hauptstadt Spaniens – eine der Lieblingsstädte des großen Ernest Hemingways – ist nicht nur eine der grünsten und trockensten Städte Europas, sondern auch die höchstgelegene Hauptstadt der Europäischen Union, mit etwa 650 Metern über dem Meeresspiegel.

 

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Natürlich vergingen die zwei Tage viel zu schnell, und so habe ich gelernt, dass Madrid perfekt für jeden Hemingway-Liebhaber ist, der gerne schlechtes Bier trinkt, Tortillas und Serrano-Schinken isst, Teigwaren in heiße Schokolade tunkt und mehr als nur Englisch und Deutsch sprechen kann.

Wie immer vergeht die Zeit viel zu schnell, und 2 Tage später saß ich wieder am heimischen Schreibtisch. Wie heißt es so schön: Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!”

Apropos, der nächste Italien-Bericht steht auch schon bevor… 

 

 

 

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